Wie funktioniert ein E-Drum-Set?
Vom piezoelektrischen Sensor unter dem Fell bis zu mehrschichtigen Samples — was zwischen dem Schlag und dem Klang im Kopfhörer geschieht.
Von außen sieht es einfach aus: Sie schlagen auf ein Pad und hören eine Trommel. Im Inneren geschieht allerdings einiges, worüber man Bescheid wissen sollte — denn davon hängt ab, ob das Instrument natürlich oder „elektronisch" klingt.
Der Weg vom Stock zum Klang
Unter dem Fell jedes Pads sitzt ein piezoelektrischer Sensor. Ein Schlag verbiegt ihn für den Bruchteil einer Sekunde, und er wandelt diese Verbiegung in einen elektrischen Impuls um — je kräftiger der Schlag, desto höher die Spannung.
Das Modul misst diesen Impuls und beantwortet zwei Fragen: worauf geschlagen wurde und wie fest. Anschließend greift es im Speicher nach der passenden Aufnahme und gibt sie wieder. Das Ganze dauert wenige Millisekunden — kurz genug, dass das Ohr es als unmittelbare Reaktion wahrnimmt.
Warum gute Sets natürlich klingen
Hätte das Modul eine einzige Snare-Aufnahme im Speicher und würde sie beim kräftigeren Schlag bloß lauter machen, klänge das künstlich. Eine echte Trommel wird bei hartem Schlag nicht einfach lauter — sie ändert die Farbe, hat mehr hohe Frequenzen und ein anderes Ausklingen.
Deshalb verwendet man mehrschichtige Samples: über ein Dutzend getrennter Aufnahmen derselben Trommel, mit unterschiedlicher Stärke eingespielt. Das Modul wählt die Schicht, die zu Ihrem Schlag passt. So arbeiten die Module in den Sets Black Hawk Pulse — und genau diese Eigenschaft unterscheidet ein Instrument zum Spielen von einem Spielzeug.
Zonen: ein Pad bedeutet mehrere Klänge
Ein Kraftsensor allein genügt nicht — auf einer echten Snare spielen Sie schließlich in die Fellmitte, auf den Rand und längs davon.
Eine Snare mit drei Zonen unterscheidet Fellschlag, Rimshot und Cross Stick. Toms mit aktiven Rändern reagieren auf den Schlag auf die Kante. Ein Ride mit drei Zonen unterscheidet Fläche, Rand und Kuppe. Becken erkennen zusätzlich das Berühren mit der Hand und dämpfen dann das Ausklingen — genau wie bei einem akustischen Becken.
Die Hi-Hat, das schwierigste Element
Die Hi-Hat muss nicht nur wissen, dass auf sie geschlagen wurde, sondern auch, wie weit sie in diesem Moment geöffnet ist. Dafür sorgt ein eigener Sensor am Pedal, der ihre Stellung fortlaufend misst. Das Modul erkennt mindestens drei Zustände: geschlossen, halb offen und offen, bei guten Konstruktionen zudem die Übergänge dazwischen sowie das bloße Treten des Pedals ohne Stock.
Das Meshfell
Das Netz erfüllt zwei Aufgaben zugleich. Erstens dämpft es — statt eines Knalls gibt der Schlag ein leises Klopfen. Zweitens lässt es den Stock ähnlich zurückspringen wie ein echtes Fell, und seine Spannung können Sie mit einem Stimmschlüssel einstellen, genau wie am akustischen Set. Gummipads bieten weder das eine noch das andere.
Was das Modul außer der Klangwiedergabe leistet
Es speichert fertige Klangsets, lässt die Lautstärke einzelner Elemente mischen, hat ein Metronom und eine Aufnahmefunktion. Zudem sendet es ein MIDI-Signal über USB und kann damit Schlagzeugprogramme im Computer steuern. Bei neueren Konstruktionen kommen Bluetooth zum Spielen mit Playback vom Handy und die Unterstützung eigener Lern-Apps hinzu.
Häufige Fragen
Steckt im Pad ein Mikrofon?
Nein. Das Pad nimmt keinen Klang auf — es misst ausschließlich die Schlagstärke. Deshalb haben ein Gespräch im Zimmer oder Lärm von draußen keinerlei Einfluss darauf, was Sie im Kopfhörer hören.
Woher kommt die Verzögerung, und ist sie spürbar?
Die Eigenverzögerung des Moduls beträgt wenige Millisekunden, also weniger, als der Schall für zwei Meter durch die Luft braucht — sie lässt sich nicht wahrnehmen. Das Problem entsteht erst beim Spiel über den Computer mit schlecht eingestelltem Audiotreiber.
Warum meldet sich manchmal ein Pad beim Schlag auf das benachbarte?
Das ist Übersprechen, also über das Gestell übertragene Schwingung. Verhindert wird es durch Einstellen von Empfindlichkeit und Schwellwert im Modul sowie durch Festziehen der Halterungen. In einem richtig eingerichteten Set tritt das Phänomen nicht auf.
Kann ich eigene Klänge aufspielen?
Das hängt vom Modul ab — ein Teil der Konstruktionen erlaubt es. Der einfachere Weg führt allerdings über den Computer: Sie schließen das Set mit einem USB-Kabel an und nutzen Klangbibliotheken im Programm, wobei Ihnen praktisch beliebige Sets zur Verfügung stehen.
Nutzen sich die Pads ab?
Ja, das Netz ist ein Verschleißteil, ähnlich wie das Fell beim akustischen Set. Bei täglichem Spiel wird es alle paar Jahre gewechselt, und der Wechsel dauert wenige Minuten.
Wie diese Elemente in den einzelnen Modellen arbeiten, beschreiben wir bei jedem der E-Drum-Sets — vom Aufbau der Pads bis zu den Möglichkeiten des Moduls.
